Dienstag, 29. Januar 2013

Warum Parelli Natural HorseManShip?

Ich werde gelegentlich gefragt, warum ich mich ausgerechnet für Parelli entschieden habe, aus dem riesigen Angebot an "natürlichen" Methoden, die in Europa inzwischen verbreitet sind. Was macht Parelli so besonders, was unterscheidet Parelli von den anderen?

Nun ja, da möchte ich ein bisschen ausholen, um die Frage zu beantworten. Ich habe Reiten gelernt wie viele andere auch - oder anfangs vielleicht doch etwas Speziell, jetzt wo ich darüber nachdenke. Mein erster Reitlehrer war ein Kavallerist, und sein Motto war "Es gibt nichts, wo Du mit dem Pferd nicht hinkommst" - was im Krieg wahrscheinlich eine überlebensnotwendige Einstellung war. Nach einigen Lektionen an der Longe im Stile von "Leichter Sitz, und zwick die Knie zusammen, damit Du nicht runterfällst" war ich nur mehr im Gelände. Ein Ferienlager im Alter von ca 8 Jahren hat mir dann die Augen geöffnet, dass es sowas wie Dressur und Bahnfiguren gibt, und dass man Trab oder Galopp auch aussitzen kann (ist aber schwierig, wenn die Knie zugezwickt sind ;-). Als in unserer Stadt eine Reithalle eröffnet wurde, bin ich dorthin gewechselt, mit 18 Jahren dann nach Wien,war 1991 sogar ein halbes Jahr als Working Student in einem erfolgreichen Dressurstall in Kalifornien, hatte diverse Pflegepferde, hab Kurse und Prüfung zum "Übungsleiter Reiten" (in Österreich die erste Stufe am Weg zum Reitlehrer) abgelegt und schliesslich mein erstes eigenes Pferd gefunden, Domino. Den hab ich selbst zugeritten und war dann im Vielseitigkeitstraining bis zu einem Punkt, wo ich ihn draussen nicht mehr entspannt reiten konnte und er mehr und mehr zum Durchgänger wurde.
 
In all den Ställen, bei all den Reitlehrern, hat nie jemand etwas von Pferdepsychologie gesagt, oder dass wir den mentalen und emotionalen Teil des Pferdes berücksichtigen müssen. Aber mir hat etwas gefehlt, meine Beziehung zu Domino wurde schlechter im Laufe des Trainings, und ich hatte immer weniger Freude daran. Ich hab also diverse Bücher gelesen - von Monty Roberts, GaWaNi Pony Boy, Geitner, Mark Rashid und etlichen anderen. Und vieles von dem, was ich in diesen Büchern gelesen habe, hat mich angesprochen, und ich habe gestaunt wie die das machen. Aber in KEINEM hab ich eine Anleitung gefunden, wie ICH SELBST diese Kunst erlernen kann. Stimmt nicht ganz, es gab sogar die eine oder andere Übung oder Anleitung, aber ich hab es nie geschafft, dies wirklich und konsequent mit spürbarem Erfolg umzusetzen.

Bis ich schliesslich - Benni sei Dank - auf Parelli stiess bzw eher gestossen wurde ;-) Das Heimstudienpaket (die 2. Version, das rote und blaue Paket) hab ich in Windeseile durchgearbeitet, mit beiden Pferden, und die Veränderung von Domino war absolut verblüffend. Ich hab nie mehr zurückgeschaut. Nachdem ich mit Benni auch unterrichten wollte, war es naheliegend, den Parelli Instruktor anzugehen, denn nach meinen herkömmlichen Übungsleiter-Methoden könnte ich nun nicht mehr unterrichten.

Also, was ist jetzt der springende Punkt? Parelli ist meiner Meinung nach EINZIGARTIG in der Kombination von Pat und Linda, die es geschafft haben, das intuitive Wissen der "genialen", also ausserordentlich begabten Pferdeflüsterer in ein logisches, nachvollziehbares, Schritt-für-Schritt erlernbares Programm zu packen. So dass wirklich JEDER, mit etwas Zeit und Ausdauer und ggf. Anleitung, es zu einem Level bringen kann, der mit den normalen Methoden für ihn schlicht nicht erreichbar wäre. Weitere Highlights sind das Horsenality-Konzept, das es uns allen ermöglicht, Pferde besser lesen zu lernen und situativ passende Strategien anzuwenden. 
Und das Game of Contact, wo Linda das Mysterium "geschmeidige Anlehnung" entschlüsselt hat - sodass ich nun erstmals nach unzähligen Jahren der Frustration über meine "harte Hand" endlich einen konkreten Weg habe, wie ich mich verbessern kann (das heisst nicht, dass es einfach ist, es umzusetzen, denn alte Gewohnheiten sind hartnäckig ;-) 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass oft jene Leute, die sehr begabt sind, nicht gut unterrichten können. Denn sie mussten sich die kleinen Details nie erarbeiten, und können es daher gar nicht erklären. Pat und Linda können beides - natürliches Horsemanship in Vollendung umsetzen, UND es verständlich erklären! Daher DANKE an Pat und Linda für ihre unglaubliche Einsatzbereitschaft und Energie, mit der sie forschen, ihr Wissen teilen und ihre Mission verfolgen - die Welt zu einem besseren Ort für Pferde und Pferdeliebhaber zu machen.

Berni hat mal zu mir gesagt, er habe noch kein anderes System gesehen, das es so vielen DURCHSCHNITTLICH begabten Menschen ermöglicht, AUSSERGEWÖHNLICHES mit ihren Pferden zu vollbringen. Dem kann ich aus eigener Erfahrung nur von Herzen zustimmen :-)

Sonntag, 30. Dezember 2012

Horsenality - Pferde besser verstehen

Pat Parelli sagt "Pferde sind wie Schneeflocken. Sie sehen gleich aus, haben dieselben Eigenschaften, und doch ist jede ein Individuum." Darum scheitern Trainingsmethoden, die die individuelle Pferdepersönlichkeit nicht berücksichtigen - bzw. werden gewisse Pferde als "untrainierbar" abgetan. Pferde korrekt lesen zu können, ist DAS Geheimnis im erfolgreichen Umgang mit dem Pferd. Linda und Pat Parelli haben auch hier wieder eine Meisterleistung vollbracht - das "unlehrbare", instinktive Wissen der genialen "Pferdeflüsterer" so aufzubereiten, dass es auch ein normaler Mensch verstehen kann. 

Das Horsenality-Konzept ist genial einfach. Es ermöglicht uns, die Verhaltensweisen des Pferdes grob in 4 Kategorien einzuteilen, und gibt uns dann je nach Kategorie erfolgreiche Strategien mit auf den Weg. Das bedeutet allerdings nicht, dass es ebenso einfach ist, dies alles umzusetzen. Das erfordert eine Menge Geduld, Beobachtungsgabe und Durchhaltevermögen. Aber das Gute daran ist, die Chancen stehen 50:50, dass man richtig liegt ;-)

Mitte November fand mein erstes Horsenality Seminar statt, und es war eine sehr gelungene Veranstaltung. Das Interesse war so gross, dass es innerhalb kürzester Zeit ausgebucht war. Den Auftakt zum Seminar machte ein Kommunikationsspiel - mit dem Ziel, einmal in die Haut des Pferdes zu schlüpfen.
Anschliessend haben wir gemeinsam die 4 Kategorien extrovertiert/introvertiert und dominant (LB)/instinktiv (RB) erarbeitet. Anhand von Videobeispielen wurde dieses Wissen noch vertieft. In Rollenspielen haben sich die Teilnehmer dann in den jeweiligen Typ hineinversetzt und konnten so ein ganz neues Verständnis für das Verhalten der Pferde gewinnen. Nach einer gemütlichen Pause beim gemeinsamen Abendessen haben wir im 2. Teil die Strategien besprochen, die in der jeweiligen Situation angebracht sind, bzw. auch was es schlechter macht. 
 
In der abschliessenden "Conga-Horse" Simulation war es nochmals möglich, den Miss/erfolg der jeweiligen Strategien auszuprobieren. Das Wunderbare am Conga-Horse ist, dass es sich tatsächlich verhält wie ein Pferd (nämlich interessanterweise meist wie das eigene Pferd), aber dann seinem Menschen VERBALES Feedback geben kann. Denn Feedback erhalten wir ja ständig von unseren Pferden, nur leider interpretieren wir es oft falsch ;-)
Sollte Dein Interesse am Seminar geweckt sein, kontaktiere mich bitte - ich werde es sicherlich nochmals anbieten und kann Dich dann über die jeweiligen Termine informieren.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Chaos ... oder: Viele Wege führen zum Ziel

Wenn man beginnt, Parelli Natural Horsemanship zu erlernen, ist der Weg sehr schön vorgezeichnet, fast wie eine Autobahn. Es gibt die 7 Spiele zu lernen, die 8 Prinzipien des Horsemanship und die Pferdepsychologie. Das ist ja die grossartige Leistung von Pat und Linda Parelli, dass sie das intuitive, nicht erklärbare Wissen der "Pferdeflüsterer" so aufbereitet und in ein Programm gepackt haben, das jeder durchschnittlich begabte Mensch mit etwas Fleiss und Durchhaltevermögen erlernen kann. Level 1 und auch noch 2 sind relativ einfach zu lernen und zu lehren (ich rede hier von den Menschen, unabhängig von ihren Pferden!). 

Je weiter wir dann kommen, desto weniger deutlich sind die Wege vorgegeben, desto öfters gabeln sie sich, um dann letztlich doch an dasselbe Ziel zu gelangen. Klar, die Prinzipien bleiben dieselben, und letztlich ist Level 4 nichts anderes als ein "exzellenter Level 1", wie Pat so schön sagt. Aber als Student kann das ganz schön verwirrend sein. 

Mir ist das vor allem beim FastTrack Kurs in USA aufgefallen, und das hat mich damals ordentlich frustriert. Als Left Brain Introvert (mehr zu Horsenality und Humanality folgt demnächst) schätze ich das logische Schritt-für-Schritt Programm, wie es im Parelli Heimstudium angeboten wurde, sehr. Ich hatte mir das Programm im Heimstudium erarbeitet, war noch eine Woche bei Michael Wanzenried zur Vorbereitung (wie ich dachte) und bin dann zum Kurs nach USA. Wir waren 50 Studenten, mit John Baar als Hauptinstruktor und mehreren Instruktoren als Assistenten. Und wenn ich die gleiche Frage an 4 verschiedene Instruktoren richtete, erhielt ich 4 (oder mehr) verschiedene Antworten. Das war für mich eine riesige Umstellung und Herausforderung. An Stelle der Autobahn war nun ein Labyrinth getreten, mit Irrwegen und Sackgassen, unzähligen Gabelungen und scharfen Abzweigungen. Ich war ungeheuerlich frustriert und fühlte mich völlig alleine gelassen. Inzwischen weiss ich, dass das die Methode ist, nach der bei Parelli unterrichtet wird. Der Student erhält die nötige Theorie, und dann bleibt es ihm selbst und seiner Experimentierfreude überlassen, zu LERNEN. Ein riesiger Unterschied zu dem, was ich erwartet hatte! Ich wollte ein schön logisches Programm um weiterzukommen, aber das gab es nicht mehr.

Es hängt vom Pferd ab, von dir selbst, von der Situation, von der Grundeinstellung des Instruktors. Wie schon erwähnt - viele verschiedene Wege können zum selben Ziel führen, und das ist völlig ok, solange die Prinzipien erhalten und die Würde von Pferd und Mensch gewahrt bleiben. Welchen Weg man letztlich wählt, und an welchem Instruktor man sich orientiert, ist eine individuelle Entscheidung. Und das ist gut so, denn darum kann es viele verschiedene Instruktoren geben, sodass jeder Student den bzw diejenige finden kann, der zu ihm und seiner aktuellen Herausforderung passt. Es kann auch gut sein, zu verschiedenen Instruktoren zu gehen, um ein Gefühl für die Bandbreite der Möglichkeiten zu bekommem. Man darf sich nur nicht verwirren lassen! Pat Parelli sagt "observe - remember - compare", also BEOBACHTE - ERINNERE DICH - VERGLEICHE. In den höheren Levels ist Experimentierfreude gefragt, gepaart mit der Fähigkeit, die Ergebnisse der Experimente zu bewerten und so den besten individuellen Weg für Dich und Dein Pferd herauszufinden. Eine grosse Herausforderung, und eine wunderbare Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und daran zu wachsen ;-)

Welche scheinbar gegensätzlichen Wege sind Dir bisher im PNH aufgefallen? Oder war bisher alles sonnenklar für Dich? Ich freue mich über Kommentare, und wenn Du Deine Erlebnisse mit uns teilst!

Sonntag, 28. Oktober 2012

Von ZERO BRACE zum Fliegenden Galoppwechsel :-)

Letzten Dienstag gelang unser erster gewollter Fliegende Galoppwechsel bridleless, also nur mit Seilchen um den Hals, auf die Hilfe hin und auch noch durchgesprungen :-) Ich bin mächtig stolz auf mein Pferd!

Fliegende Galoppwechsel waren für uns immer ein gewisses mit Respekt behaftetes Thema - Domino KANN sie wunderbar, wenn man ihn einfach machen lässt, im Gelände und beim Springen. Nur wenn ich aktiv danach gefragt habe, hat er meistens nur vorne gewechselt. Und der Versuch ihn im Galopp zu behalten und auch noch hinten zu wechseln hat ihn fürchterlich aufgeregt (das war noch vor Parelli, da hatte ich von mentaler und emotionaler Fitness noch nichts gehört). Galopp war sowieso heikel, also habe ich es eher vermieden...

Leider (oder soll ich sagen glücklicherweise) brauche ich die Fliegenden für Freestyle Level 4, also musste ich mich dem Thema wohl oder übel stellen.

Zuerst sah ich auf einer der Mastery-DVDs, wie Linda den Fliegenden GW im leichten Sitz lehrte und total einfach aussehen liess, mit relativ viel Tempo in der Question Box. Das war das erste Mal, dass ich bei Parelli den leichten Sitz gesehen habe. Da kam der Hoffnungsschimmer auf, dass wir das auch hinbekommen könnten, im leichten Sitz fühle ich mich deutlich sicherer als ausgesessen. Die Frage die sich mir stellte war nur - kann ich nachher auch wieder bremsen, so ohne etwas am Kopf? Da bin ich einfach von unserer Vergangenheit noch sehr belastet...

Dann hatte ich einen HÖCHST interessanten AHA-Moment. Als Vorbereitung für den Kurs mit Linda (Advanced Game of Contact) bin ich viel mit dem Steady Rein geritten (was das ist, kannst Du in einem anderen Blog nachlesen). Einmal hatten wir eine Session, da wollte Domino partout nicht das Tempo oder die Richtung halten, von Entspannung ganz zu schweigen. Er ist völlig zurückgefallen in das Muster von vor Parelli - schneller! Ich stand vor der Wahl - mit ihm "kämpfen" und solange steady rein anwenden, bis er wieder runterkommt - oder "zero brace".

Zero brace (in etwa null Verspannung) bedeutet, ich gebe ihm einfach nichts, gegen das er sich auflehnen kann, ich gehe ganz mit dem Pferd mit. Dass ich überhaupt daran gedacht habe, war schon sensationell. Denn früher war ich eher vom Gedanken beherrscht "das Pferd muss folgen!". Aber diesmal habe ich umgeschaltet, liess die Zügel locker und bin als pushing passenger ganz passiv geblieben. Daraufhin sind wir wie irre im Trab kreuz und quer durch die Bahn gesaust. Für Zuschauer hätte das bestimmt merkwürdig ausgesehen. Ich hab mich nur darauf konzentriert, weich mitzugehen und im Trab zu bleiben, aber ich hab kein Tempo reguliert. Also, ich kann nicht genau sagen wie lange wir da so wirr herumgezischt sind, es war schon eine Weile. Irgendwann ist er dann von sich aus auf "follow the rail" umgeschwenkt und hat am Zaun entlang ein paar Schritte schönen, entspannten, rhythmischen Trab gezeigt. Daraufhin hab ich ihn in die Question Box gelenkt und dort angehalten, und laaaaaaange gerastet.

Danach wollte ich dasselbe Spiel auch noch im Galopp versuchen. Und - ich konnte es kaum fassen - wir galoppieren an, Domino geht einen fast perfekten Zirkel nach links, wechselt in der Question Box (VON SELBST, ich war immer noch pushing passenger) total entspannt in den Rechtsgalopp und geht auf den Zirkel nach rechts. Ich war sprachlos, hab ihn in die Mitte gelenkt und bin abgesprungen, um mit ihm zur Belohnung Grasen zu gehen. Wie sagt Linda immer "gib dem Pferd was es braucht, dann gibt es dir, was du willst" - da muss wohl was Wahres dran sein  :-)

Am Kurs haben wir dann den Wechsel so gemacht wie ich es am Video schon gesehen hatte, mit leichtem Zügelkontakt. Und am Dienstag, da haben wir es nun eben ohne etwas am Kopf geschafft, entspannt und ohne dass er sich aufgeregt hätte. Ich bin total happy!!!

Und siehe da, plötzlich sind die Fliegenden gar nicht mehr so schwierig, wie ich immer gedacht hatte :-)


Wendest Du Zero Brace an, und was sind Deine Erfahrungen damit? Ich freue mich über Kommentare!