Mittwoch, 22. Januar 2014

Parelli Instruktoren-Weiterbildung in Florida - Stufen des Lernens

Wow, was soll ich sagen? Der 2. Kurstag ist um, und schon jetzt hab ich so viel gelernt, dass es den Aufwand herzukommen jedenfalls wert war :-)

Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll ... vielleicht mal mit meinem Leihpferd, Sam. Es ist eine ziemliche Herausforderung, so einen Kurs mit einem Pferd zu absolvieren, das man gar nicht kennt - und eine ungemeine Bereicherung :-) Fremde Pferde machen uns sehr schnell klar, wo sich unsere "Löcher"befinden. Mit dem eigenen Pferd haben wir ein Arrangement gefunden, das uns beiden passt, unseren "Vertrag", wie Mike Wanzenried gerne sagt. Vorne steht, was wir machen können, und hinten steht, was wir besser lassen sollten. Und oft ist die Hinterseite viel länger als die Vorderseite ;-) 

Mit einem fremden Pferd muss man diesen Vertrag erst verhandeln - das ist schon ziemlich spannend. Und ich habe entdeckt, dass ich erst mal zu vorsichtig bin, besonders beim Reiten. Glücklicherweise ist die Besitzerin von Sam auch anwesend, also konnte sie mir sagen, was er schon können sollte. Ein Punkt, wo ich schnell gemerkt habe, dass ich da zu nachlässig bin - wohl auch mit meinen eigenen Pferden - ist "halte an einem hohen Standard fest, und erinnere ihn an seine Verantwortung!" Denn je mehr wir tun (und dabei das Pferd micro-managen), desto weniger wird es von sich aus tun. Das führt dann zB zu Pferden, die ewig getrieben werden müssen und doch nicht vorwärtsgehen ... oder ständig gehalten werden müssen und trotzdem davonrennen.


Das war für mich besonders interessant, denn mit meinem Pferd habe ich üblicherweise eher das Problem zu bremsen. Sam hingegen neigt dazu, stehenzubleiben wenn ihm etwas nicht passt (oder zu bocken - typisch LB). Aber - "forward is the key", wie Carol Coppinger, unsere Kursleiterin, mehrfach betont hat - besonders wenn es dann um so Dinge wie fliegende Galoppwechsel geht. Ich hatte heute also die Gelegenheit, meinen "Go-Button" zu richten.

Um das zu erklären, muss ich noch etwas ausholen - auch ein Thema, das wir heute vormittag im Kurs besprochen haben. Es gibt ja die "Stages of Learning", also Stufen des Lernens.
1. Teaching - Lehren
2. Controlling - Kontrolle
3. Reinforcing - Verstärkung
4. Refining - Verfeinerung

Und es ist SEHR wichtig, dass wir uns bewusst sind, in welcher Stufe wir uns gerade befinden. Denn je nach Stufe müssen wir unsere 4 Phasen unterschiedlich anwenden, um vorwärtszukommen. Kurz gesagt:
1. Teaching = Phasen 1 - 2 - 3 - 4 alle etwa 3-4 Sekunden lang, Phase 4 (falls nötig) bis das Pferd reagiert
2. Kontrolle = Phase 4. Da geht es um unsere Sicherheit, da muss SOFORT etwas passieren.
3. Verstärkung = LAAAAANGE Phase 1, dann schnell zu Phase 4 
4. Verfeinerung = wir sollten nicht mehr als eine kleine Phase 2 brauchen, bzw. was vorher 2 war, ist jetzt vielleicht schon 4. Wir werden also noch subtiler.

Also, um jetzt das Vorwärts von Sam zu verbessern (Stufe 3 - verstärken), hab ich dann folgende Übung gemacht:
Halten. Aus dem Halt antraben, indem ich meine Energie hochbringe ("Smile with all 4 cheeks") und die Beine LEICHT zumache. 3 Sekunden warten - wenn dann nix passiert ist, mit dem String an der Kruppe touchieren, und zwar nur EIN Mal. Dann "Reset", alles loslassen, von vorne beginnen. Beim 3. Mal ist er davongeschossen wie eine Rakete, mit einem sehr guten Vorwärts-Trab, und damit war das Thema erledigt (zumindest für den Rest des Nachmittags). Hätte ich ihn hingegen im Trab einfach immer mehr getrieben und ihn daran gehindert, langsamer zu werden, wäre es ein ewiges Gemurkse geblieben. Hmmm - sehr spannend!!!

Und zum Abschluss noch ein Zitat von Carol "Dwell time is priceless" - heisst soviel wie Zeit zum Nachdenken zu geben ist enorm wichtig ... das mach ich jetzt ;-) Denn nachdem es hier nämlich gerade mal 4 Uhr morgens ist, werde ich nun noch eine Runde schlafen, bevor Tag 3 des Kurses anbricht, und Euch Zeit zum Nachdenken geben. Weitere Updates vom Kurs folgen demnächst ;-)

Samstag, 4. Januar 2014

Raubtiere, Instinkte und Stress

Ok. Also was haben diese Begriffe miteinander zu tun? Eine ganze Menge, wenn man es im Rahmen des Natural Horsemanship betrachtet:

Zuerst mal das Raubtier. DAS ist unsere menschliche Natur, unser Instinkt. "Nein, ich doch nicht, ich bin doch Vegetarier!" Hilft leider nix, von unseren natürlichen Anlagen her sind wir trotzdem ein Raubtier, ob wir nun Fleisch verzehren oder unschuldiges Gemüse...

1. Wir sehen aus wie Raubtiere: Unsere Augen sind vorne. Die Ohren sind nicht sehr beweglich und immer "angelegt", also aus Sicht des Pferdes im Status "aggressiv".
2. Wir denken wie Raubtiere. Geradlinig. Wenn wir etwas wollen, versuchen wir das zu bekommen, möglichst auf direktem Weg.
3. Wir handeln wie Raubtiere. Wir schleichen uns an. Wenn wir erschrecken, ziehen wir uns zusammen und halten fest (hauen die Klauen rein). Und lassen nicht mehr los.


Im Gegensatz dazu das Pferd, ein Beutetier.
1. Es sieht aus wie ein Fluchttier: Die Augen liegen seitlich am Kopf und ermöglichen beinahe Rundumsicht. Pferde sehen im Zeitraffer, jede Bewegung wirkt also noch viel schneller. Die Ohren sind beweglich, können verdächtige Geräusche rundherum orten.
2. Es denkt wie ein Fluchttier - im Zweifelsfall GAR NICHT, der Fluchtinstinkt übernimmt die Führung.
3. Es handelt wie ein Fluchttier. Zuerst davonlaufen, dann schauen ob es überhaupt nötig ist. Gekämpft wird dann, wenn es in die Enge getrieben ist und keinen Ausweg mehr hat.


Da haben wir den Salat - 2 Spezies, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Wenn wir nun mit dem Pferd eine Partnerschaft anstreben, müssen wir alle beide unsere Natur überwinden. Das können wir bewusst üben, wenn wir das Problem erstmal bemerkt und verstanden haben. Wir können uns und unserem Pferd Gewohnheiten und Fähigkeiten antrainieren, um diese Kluft zu überbrücken.

Aber nun - der STRESS oder Druck - ob nun eingebildet oder tatsächlich gerechtfertigt, das macht leider keinen Unterschied. Wenn wir in Stress geraten, kommt unsere Natur zum Vorschein, ob wir wollen oder nicht. Dann sagt das Pferd "ich muss fliehen", und wir Menschen sagen "nein du musst dableiben, stillstehen, in den Hänger einsteigen, über das Hindernis springen, eine schöne Piaffe machen", oder was immer wir gerade eben vom Pferd verlangen.

Dabei wäre die Lösung so einfach - denke wie ein Pferd, und gib dem Pferd was es braucht, also lass zB ein extrovertiertes Pferd seine Füsse bewegen. WARUM können wir das manchmal nicht tun? Weil wir natürlicherweise unter Druck zumachen, nicht fähig sind lateral zu denken. Der einzige Gedanke ist unser Ziel. Oje. 

Was können wir tun, um solche Situationen in Zukunft gar nicht entstehen zu lassen? Unsere Komfortzone - und die unseres Pferdes - ausdehnen, damit uns beide - oder wenigstens einen von uns - die Situation gar nicht erst stresst. Und das geht nur durch "exposure and experience", wie Pat Parelli sagt. Also sich verschiedenen Situationen aussetzen und dabei Erfahrungen sammeln. Vermeiden hilft da leider nichts...

Samstag, 26. Oktober 2013

Parelli L3/4 Kurs in Bremgarten mit Marion Oesch

Dieses Wochenende habe ich die tolle Gelegenheit, Marion Oesch bei einem Parelli Kurs zu assistieren :-)

Schon am ersten Tag hatten alle Teilnehmerinnen ihre Aha- und Erfolgserlebnisse! Es ist super mitzuerleben, wie Marion die richtigen Worte oder Simulationen findet, damit sie ihr Wissen verständlich machen kann. Aber Bilder sagen ja mehr als 1000 Worte, daher...








Montag, 22. Juli 2013

Yes we did it!

Wir haben es geschafft - Level 4 Freestyle ist nun auch bestanden, und der ** Instruktor somit wieder reaktiviert :-) Wenn Ihr Euch erinnert, habe ich diesen Blog ja unter anderem gestartet, um meine Entdeckungen während der Reise im Level 4 festzuhalten.

Freestyle ist unser schwierigstes Savvy, belastet durch die negativen Erfahrungen der Vergangenheit, als Domino noch ein waschechter RBE war - sehr emotional im Galopp, mit Durchgehen im Gelände, Steigen und sehr athletischen Seitensprüngen, wenn er sich geschreckt hat. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich ihn ohne etwas am Kopf reiten könnte, hätte ich den Menschen für verrückt erklärt! 

Und nun - ja, nun ist es Wirklichkeit geworden! 

Der Weg daher war nicht ganz einfach, und auch durch sehr viel "bitte warten" gezeichnet. Mitte November hatten wir das L4 FS Programm ganz gut erarbeitet, nur die fliegenden Wechsel waren noch etwas inkonsistent und haben bei der Generalprobe leider nicht so geklappt. Und dann kam der Winter... mit Schnee, Regen, Matsch, Eis... unser Platz war leider kaum zum Galoppieren geeignet. Bis April mussten wir warten, um das Audition Video endlich  drehen zu können. Und dann - warten auf die Antwort... nach 6 Wochen, als ich schon bei Parelli nachgefragt hatte, kam ich aufgrund eines "verschwundenen" Studenten-emails darauf, dass die Antwort schon 3 Wochen im Spam des anderen Kontos war, da haben die Tücken der Technik zugeschlagen :-( Die Bewertung war ganz gut, allerdings meinte Kathy Baar, dass ich mich noch zu viel auf das Seilchen um den Hals und den Stock verlasse, und sie hätte gerne ein Resubmit mit Übergängen möglichst ohne Stock und String. 

Ha, das ist einfach, dachte ich mir, das haben wir sofort. Da hab ich allerdings eine Überraschung erlebt... denn den String so wirklich komplett loszulassen, das erforderte einige Überwindung! Da wurde mir bewusst, dass ich Domino doch noch nicht so wirklich vertraue und immer noch mit dem gelegentlichen Seitensprung oder unkontrolliertem Zulegen im Galopp rechne. Und ich muss mich sehr konzentrieren, den String nicht zu nehmen, das mach ich ganz automatisch und irgendwann merke ich, jetzt hab ich das Ding ja schon wieder in der Hand!!! Auch Domino hatte anfangs seine Schwierigkeiten damit, er war irgendwie verloren so ganz ohne den zusätzlichen Kontakt. Das Seilchen, so wenig es auch ist verglichen mit einem Zaumzeug, hat uns beiden doch noch eine gewisse Sicherheit vermittelt. Aber nun, wir haben das eben geübt - noch mehr Fokus und Sitz und keine Hand mehr, und am 3.7. war es dann soweit, dass ich das Resubmit Video einschicken konnte. 
Resubmit Video Fliegender Galoppwechsel


Dann wieder warten.... und am 19. kam schliesslich die ersehnte email "Congratulations, you have passed your Level 4 Freestyle" .... WOW, jetzt bin ich echt happy :-)